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Über Leben in Demmin

Martin Farkas zeigt eine Stadt, die mit ihrer Geschichte alleingelassen wurde. Sein Film erzählt völlig undidaktisch und offen von Angst, Gruppenzwang und geschichtlichem Trauma, von Fremdenfeindlichkeit, falscher Trauer und dem politischen Missbrauch von Gefühlen. Und er zeigt, wie stark die Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden ist.

Über Leben in Demmin

ein Film von Martin Farkas
DE 2017, 90 Minuten, deutsche OF
Musik: Mathis Nitschke
http://www.demmin-film.de

Im Frühjahr 1945 wird Demmin, eine kleine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, zum Ort einer schrecklichen Tragödie: Während die Rote Armee heranrückt, nehmen sich hunderte Einwohner das Leben. Sie schneiden sich die Pulsadern auf, vergiften oder erschießen sich; Eltern töten erst ihre Kinder und dann sich selbst, ganze Familien gehen mit Steinen beschwert ins Wasser. Bis zum Ende der DDR wird über die konkreten Umstände des beispiellosen Massensuizids geschwiegen, die genauen Opferzahlen der kollektiven Hysterie sind bis heute nicht bekannt. Heute versuchen Neonazis die Leerstelle zu besetzen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. An jedem 8. Mai, dem Tag des Endes des Zweiten Weltkriegs, vollzieht sich in Demmin ein gespenstisches Ritual: Neonazis marschieren schweigend durch die Straßen der Gemeinde, in der mehrere Hundertschaften der Polizei Stellung bezogen haben und versuchen, Gegendemonstranten von der Route fernzuhalten. An diesem angespannten Tag verdichten sich hier die Risse innerhalb der deutschen Gesellschaft aufs Äußerste. Mit ihrem »Trauermarsch« instrumentalisieren die Rechtsradikalen die Erinnerung an die furchtbare Tragödie.

In seinem Film ÜBER LEBEN IN DEMMIN geht Regisseur Martin Farkas den verborgenen Folgen der Ereignisse nach. Überlebende sprechen zum ersten Mal über die schrecklichen, lange verdrängten Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Farkas erkundet, welche Spuren die Traumatisierung und das Schweigen darüber bei den Nachgeborenen hinterlassen haben – und wie tief sie in unsere Gegenwart hineinwirken. Die Stadt wie er sie in diesem genau beobachteten, komplexen und aufrichtigen Film schildert, erscheint tief gespalten. Neben dem Wunsch nach Versöhnung und dem Willen zu einer ehrlichen Aufarbeitung stehen Hass und Feindseligkeit. So eröffnet der Film an diesem exemplarischen Ort einen neuen Blick auf den heutigen, weiterhin schwierigen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte.

Buch und Regie: Martin Farkas
Bildgestaltung: Roman Schauerte
Musik: Mathis Nitschke
Viola: Klaus-Peter Werani
Zweite Kamera: Martin Langner, Martin Farkas
Ton: Moritz Springer, Urs Krüger
Produktionskoordination: Lisa Elstermann
Herstellungsleitung: Heike Günther
Redaktion rbb: Jens Stubenrauch
Redaktion NDR: Barbara Denz
Redaktion BR: Petra Felber, Fatima Abdollahyan
Produzentin: Annekatrin Hendel

eine Produktion der IT WORKS! Medien GmbH
in Koproduktion mit RBB, NDR und BR
gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg, der BKM, Nordmedia, Kulturelle Filmförderung
Mecklenburg-Vorpommern und dem Nipkow-Programm

im Verleih der Edition Salzgeber

Viola: Klaus-Peter Werani

Mathis Nitschke und Martin Farkas

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