Ich bin kein Webentwickler. Ich bin Komponist und Sounddesigner — und ja, ich kann mich in Code reingraben, wenn es sein muss. In meinen Unity-Projekten kann ich mich in C# orientieren, und ich weiß (nicht immer, aber oft), wie man in fremdem Code Bugs findet. Aber das ist aber etwas anderes als das Innenleben eines WordPress-Themes zu verstehen. PHP kenne ich nicht. Die Strukturen, Konventionen, die typischen Fallstricke dieser Welt — das ist nicht mein Terrain.
Das hat sich geändert.
Das Problem
Meine Website mathis-nitschke.com nutzt seit 2018 das Daze-Theme von NordWood Themes — ein visuell starkes Masonry-Layout, das ich damals bewusst gewählt habe und behalten wollte. Ab 2019 wurde das Theme nicht mehr weiterentwickelt. Zunächst war das kein Problem. Dann brach die Instagram-Anbindung weg, weil Instagram 2020 seine API umstellte. Dann kamen PHP-Warnungen. Dann wurde es langsam.
Die übliche Empfehlung: Theme wechseln. Aber ein Wechsel hätte bedeutet, nicht nur ein neues Design zu finden, sondern auch Inhalte zu migrieren, Layouts nachzuziehen, Bildgrößen anzupassen — unverhältnismäßig viel Aufwand für ein Problem, das eigentlich ein technisches war.
Der Versuch
Ich habe die Aktualisierung mit Claude Code (Opus 4.6) selbst gemacht — einem KI-Agenten von Anthropic, der direkt im Dateisystem der lokalen Kopie einer Website arbeitet und Code lesen, analysieren und schreiben kann. Ich habe ihm das Problem beschrieben, nicht die Lösung.
Der Prozess war dialogisch. Claude Code hat das Theme zunächst untersucht: Dateistruktur analysiert, veraltete Funktionen identifiziert, die kaputte Instagram-Integration nachvollzogen, die Ursachen für langsame Ladezeiten gefunden. Dann hat er einen Plan vorgeschlagen. Ich habe ihn gelesen, Rückfragen gestellt, Entscheidungen getroffen.
Was mich dabei interessiert hat, war weniger die technische Ebene als die Art der Zusammenarbeit. Ich musste nicht wissen, was extract() in PHP macht oder warum es als unsicher gilt — aber ich konnte die Begründung nachvollziehen und entscheiden, ob der Eingriff sinnvoll ist. Ich war nicht Programmierer, aber auch nicht bloßer Auftraggeber. Irgendwo dazwischen: jemand, der sein eigenes Projekt versteht und nun die Mittel hatte, es auch technisch weiterzuentwickeln.

Was sich geändert hat
Das Ergebnis ist Daze MN, ein Fork des Original-Themes, der auf GitHub verfügbar ist. Die wesentlichen Änderungen:
PHP-Kompatibilität. Neun Widget-Dateien und mehrere Theme-Funktionen verwendeten extract(), eine inzwischen als unsicher geltende Funktion. Alle Aufrufe wurden durch explizite Variablenzuweisungen ersetzt, veraltete Datenbankabfragen aktualisiert. Das Theme verlangt nun mindestens WordPress 6.0.
Instagram Graph API. Die alte Integration nutzte einen inoffiziellen Zugang, den Instagram 2020 abschaltete. Die neue Anbindung läuft über die offizielle Graph API mit automatischer Token-Erneuerung alle 50 Tage. Reels werden herausgefiltert — im Carousel erscheinen nur Bilder.
Performance. jQuery UI Draggable und das Facebook SDK wurden auf jeder Seite geladen, ohne verwendet zu werden. Gallery-Skripte sind jetzt auf Einzelseiten beschränkt. Google Fonts laden mit display: swap.
600 Zeilen Demo-Code entfernt. Das Original enthielt umfangreiche Sonderfälle für Demo-Kategorien, die auf einer realen Website nicht existieren, bei jedem Seitenaufruf aber geprüft wurden.
Das Theme sieht identisch aus — nur robuster, schneller und zukunftsfähig. (Aber es ist immer noch WordPress, deswegen ist die Seite nicht immer so schnell wie erhofft..)
Was das bedeutet
Ich habe den Fork auf GitHub veröffentlicht, weil ich vermute, dass es anderen Daze-Nutzern ähnlich geht: Das Theme ist schön, aber seit Jahren ohne Updates. Die Instagram-Widgets sind kaputt. PHP-Warnungen häufen sich. Ein Wechsel fühlt sich unverhältnismäßig an.
Aber eigentlich geht es um etwas Grundsätzlicheres. In meiner Arbeit als Komponist habe ich geschrieben, dass mich an Technologie nicht interessiert, was sie ersetzt, sondern was sie ermöglicht. Das gilt auch hier. Claude Code hat nicht für mich programmiert — er hat mir ermöglicht, etwas zu tun, das vorher außerhalb meiner Reichweite lag. Die Entscheidungen waren meine. Das Werkzeug war neu.
Für Künstler, die mit Technologie arbeiten, ist das eine relevante Verschiebung: nicht weil KI alles kann, sondern weil sie die Schwelle senkt, an der man aufhört, Experten fragen zu müssen, und anfängt, selbst einzugreifen. Das Theme meines eigenen Blogs zu aktualisieren klingt banal. Aber es ist ein Eingriff, den ich vor einem Jahr nicht hätte machen können.


