AUSBILDUNG

Nach Anfängen auf der klassischen Gitarre und am Mischpult studierte Mathis Nitschke bildende Kunst, bevor er seine Studien am Königlichen Konservatorium Den Haag bei Gilius van Bergeijk, Richard Ayres und Clarence Barlow als Musikkomponist abschloss.

Vorlesungen und Seminare u.a. bei Heiner Goebbels, DJ Spooky, Jean-Luc Nancy, Michel Houellebecq, Mike Figgis, Peter Greenaway und The Brothers Quay während seines Postgraduiertenstudiums der Medien und Kommunikation an der European Graduate School (EGS), Saas-Fee, flankierten seine Ausbildung.

Auf diesem Weg entwickelte er eine stark konzeptuelle Herangehensweise. Er kreiert Opern und Musiktheater, Installationen, Filme und Konzerte, die europaweit in Theatern, Galerien und Festivals gezeigt werden.

 

MUSIKTHEATER

In Nitschkes Arbeiten als Theatermacher betrachtet der Zuschauer nicht nur, er wird auch selbst betrachtet und nimmt an der theatralen Situation teil. In den Kurzopern im öffentlichen Raum „Viola“ und „Katharina“ (2015/16) sitzt das Publikum in Schaufenstern und schaut dem Geschehen auf dem Platz davor zu. Gleichzeitig wird es selbst im Schaufenster ausgestellt und von den Passanten auf der Straße betrachtet.

Smartphones und Kopfhörer als bestimmendes Merkmal des heutigen öffentlichen Lebens miteinbeziehend, konzipierte Mathis Nitschke an der Münchner Isar einen interaktiven Hörparcour für Spaziergänger: „Vergehen“ (2017), eine Oper, die man sich erläuft. Sie lässt die reale Welt mit der Virtualität in klingende Interaktion treten. In der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Deutsche Bühne“ 2017 wurde „Vergehen“ als bester Beitrag in der Kategorie Bühne/Raum/Kostüm nominiert.

Im Oktober 2017 wurde „Maya“ uraufgeführt, eine Mixed-Reality-Techno-Oper, in deren Zentrum grundlegende Fragen des Posthumanismus verhandelt werden. In der Ruine des Heizkraftwerks Aubing kreierte Nitschke einen virtuellen Parallelkosmos zur physischen Realwelt auf der Grundlage von Sound, Musik, Augmented Reality Technik und digitaler Kunst, in der der Zuschauer sich frei bewegte.

Aus seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Lichtdesigner und Regisseur Urs Schönebaum entstanden die von der Nationaloper Montpellier beauftragten Opern „Jetzt“ und „Happy Happy“ (2012 und 2014). „Jetzt“ wurde bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt im Jahr 2013 zur “Uraufführung des Jahres” nominiert.

 

FILM UND SCHAUSPIEL

Mathis Nitschke arbeitet viel in Teams. Für Michel Houellebecq komponierte und produzierte Nitschke 2008 einen groß-orchestralen Score für dessen Debut als Regisseur, der eigenen Verfilmung seines Romans ‘Die Möglichkeit einer Insel’. 2017 komponierte und produzierte er die Filmmusik für Martin Farkas‘ Dokumentarfilm ‚Über Leben in Demmin‘.

Nitschke arbeitet regelmäßig an den wichtigen deutschsprachigen Bühnen wie, neben anderen, Münchner Kammerspiele, Thalia Theater Hamburg, Schauspielhaus Zürich, Burg- bzw. Akademietheater Wien und Schauspiel Köln mit Regisseuren wie Luk PercevalAndreas Kriegenburg, Christof Loy, Thomas Jonigk, Ulrike Arnold, Karin Henkel, Christiane Pohle und anderen. Nitschke hat ein besonderes Interesse an der Zusammenarbeit mit Autoren, bisher mit Jonas Lüscher, Thomas Jonigk, Michel Houellebecq und Ulrike Draesner.

Seine Musik ist oftmals Ergebnis gemeinsamer improvisatorischer Praxis. Er unterhält besondere Arbeitsbeziehungen zu den Sängern Martina Koppelstetter und Karen Vourc’h sowie, neben anderen, den Musikern Santiago Cimadevilla, Anja Lechner, Goska Isphording, Mathis Mayr, Brice Soniano and Klaus-Peter Werani.

 

UND DARÜBER HINAUS

Als Klangregisseur sitzt Mathis Nitschke nicht nur am Mischpult der Theater, sondern auch bei Aufführungen zeitgenössischer Musik im Konzertsaal, z.B. bei der Musica Viva Reihe des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. In Solo- und Ensembleprojekten tritt er als performender Elektroniker auf.

Auf Grundlage seiner frühen Erfahrungen in der Werbeproduktion (Hastings Audio, Giesing Team) und der erfolgreichen Tätigkeit in der Filmpostproduktion (Resident Evil, Schwabenkinder, Die Freunde der Freunde) bietet er seine Dienste auch Unternehmen und Agenturen in der Live-Kommunikation an. Dabei entstehen Unternehmensfilme (z.B. für BMW), Sound-Logos (z.B. Airbus Group) oder auch Konzerteinlagen, musikalische Highlights (z.B. Linde Managementkonferenz, BMW Excellence in Sales).

Er betreibt die Webseite c-opera.net als Fundus zum Thema zeitgenössische Oper und hält Seminare und Workshops an verschiedenen deutschen und österreichischen Hochschulen (z.B. Musikhochschule Trossingen, Hochschule der populären Künste Berlin und Fachhochschule St. Pölten).

Für die Celemony Software GmbH ist er als Product Manager für Capstan tätig, eine Software für die Tonrestauration, die auf rein digitalem Weg Gleichlaufschwankungen korrigieren kann. Außerdem berät er die Firma für ihre Neuentwicklungen.