4 leise Stücke für Akkordeon in reiner Stimmung

Komposition und Akkordeon: Mathis Nitschke

 

Reine Stimmung

Diese Stücke habe ich auf einem Hess Akkordeon aus dem Jahre 1941 improvisiert und aufgenommen, das ich mir vom Restaurator Philip Böttcher in eine reine Stimmung habe versetzen lassen. „Reine Stimmung“ heißt, dass sich die Töne der Tonleiter wie in der Obertonreihe auf einem natürlichen, ganzzahligen Verhältnis zum Grundton hin aufbauen. Eine Quinte G steht zum hier von mir ausgewählten Grundton C im Verhältnis 2/3, die Quarte F im Verhältnis 3/4, die Terz E im Verhältnis 4/5, und so weiter, immer der Obertonreihe folgend.

 

Warum reine Stimmung?

Die reine Stimmung unterscheidet sich von der üblichen gleichschwebenden Stimmung deutlich in ihrem Klang aber auch in ihrer Praktikabilität. Eine Terz C-E klingt auf diesem Akkordeon schwebungsfrei und klar, während z.B. die Terz B-D total schief und krumm klingt. Das bietet nicht nur die Möglichkeit, besonders reine Klänge zu spielen, sondern auch, auf eine besonders charmante Weise, wunderbar schillernd „falsch“ zu spielen. Dieses „falsch klingen“ ist eben nicht das Resultat eines zufällig verstimmten Akkordeons, sondern ist auf eine hörbar bewusste und konkrete Weise bestimmt.

Dieser kleine Walzer legt es darauf an, auf besonders schöne Weise falsch zu klingen, und erklingt deswegen auf dem in C gestimmen Akkordeon in B-Moll:

 

Widmung

Ausgangspunkt dieser Herangehensweise sind die „Vier Stücke für Drehorgel“ meines Kompositionsprofessors Gilius van Bergijk, die für mich zu den traurigsten Musiken der Welt gehören. Seine Idee war hier, eine diatonische, rein gestimmte Drehorgel aus dem Amsterdamer Orgelpark durch ihre Benutzung in einer „falschen“ Tonart so zu missbrauchen, dass sie besonders traurig klingt. Eine Idee, die ich seit 20 Jahren mit mir rumtrage und nun endlich in ein eigenes künstlerisches Vorgehen überführe. Danke, Gilius.