Dokumentarfilm von Christoph Boekel (Deutschland 2020), mit Musik von Mathis Nitschke

Sendung am Montag, 9. Mai 2022 um 22:25 Uhr auf 3sat.

(Ab 8. Mai 2022, 06:00 Uhr in der Mediathek)

Ein Film über die zerstörerische Kraft des Kriegs, seine traumatisierende Wirkung auf einen Offizier und dessen Familie, die weit über den Krieg hinausreicht.


Christoph Boekels Vater war von 1942 bis 1945 als Offizier in der Strafdivision 999 eingesetzt. Er begriff sein Erleben im Krieg als Möglichkeit zu schriftstellerischen Übungen. Das Schreiben war ihm zugleich auch Mittel der seelischen Entlastung. Er hatte kurz vor Kriegsbeginn sein Studium der Publizistik und Philosophie abgeschlossen und war um einen eigenen, ausdrucksstarken Stil bemüht. Seine Tagebücher sind eindringliche und schockierende Innenansichten des Kriegs, Dokumente aus der Unmittelbarkeit, die sein Denken, Handeln und Fühlen als Soldat offenlegen – ein ständiges Schwanken zwischen Euphorie, Depression und Abstumpfung.

Die Tagebücher des Vaters und die Briefe, die Christoph Boekels Eltern einander schrieben, führen den Filmemacher an die Orte in Belgien, Frankreich, Tunesien, Deutschland, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, an denen sein Vater zwischen 1942 und 1945 stationiert war. Heutige Bilder der Schauplätze verschmelzen mit den Texten des Vaters zu einer eindringlichen Innenansicht des Krieges und dessen seelischer Zerstörungskraft.

Eingefügt in diese Chronologie der Kriegserlebnisse sind Gespräche des Autors mit seinen beiden Brüdern, in denen sie sich zum ersten Mal über die tiefgreifenden Auswirkungen, die dieser Krieg auf die Familie und sie selbst hatte, austauschen. Kriege sind nicht einfach zu Ende. In den Seelen der Völker hinterlassen sie Spuren, die sich über Generationen hinwegziehen.

Christoph Boekel hat seit den 1980er-Jahren mehr als 15 Filme realisiert, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat. Themenschwerpunkte waren Russland und zeitgeschichtliche Themen. 1989 drehte er für das ZDF mit „Die Spur des Vaters“ bereits einen (mehrfach preisgekrönten) Film, in dem er Aufzeichnungen seines Vaters, damals aus dem Krieg gegen die Sowjetunion, verarbeitete.


Diese Vorschau zeigt die ersten Minuten des Films und beinhaltet zwei meiner Musiken: Einen bereits vor wohl bald 20 Jahren von mir komponierten Klavierwalzer, gespielt von Sachiko Hara, sowie das Oboenthema des Films, gespielt von Marine-Amélie Lenoire.

Außerdem gibt es in dem Film Akkordeonaufnahmen mit Maria Reiter sowie kleine Oudfragmente, gespielt von Roman Bunka.

Gemischt habe ich den Film dann auch.

Hier noch ein paar Musikbeispiele:


Buch u. Regie: Christoph Boekel | 1. Kamera: Axel Brandt, 2. Kamera: H. A. Lusznat | Filmschnitt: Thomas Balkenhol | Musik: Mathis Nitschke | Eine Produktion von COIN FILM und BAUM-FILM in Koproduktion mit 3sat, Redaktion Udo Bremer. Gefördert von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien.

Eine ausführliche Filmbeschreibung und ein Interview mit Christoph Boekel findet ihr auf der 3sat Webseite:
https://www.zdf.de/filme/dokumentarfilm-in-3sat/der-sog-des-krieges—eine-familiengeschichte-104.html

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