Das Publikum sitzt in der Apotheke und blickt durch die Schaufenster auf den Pasinger Bahnhofplatz. Dort taucht Viola auf, eine offenbar traurige und desorientierte Frau. Sie scheint unter Schock zu stehen, den Bezug zu Zeit und Raum verloren zu haben: „Ist das jetzt Innen oder Aussen? Ist heute noch gestern?“

Die Zuschauer können Viola hören, denn spezielle Schallwandler übertragen Violas Stimme auf die Glasscheiben der Schaufenster. Die verwandeln sich so zu einer klingenden und vibrierenden Membran zwischen dem Innen und Aussen. Um Viola aber sehen und erkennen zu können, muss das Publikum seinen Blick scharfstellen auf diesen einsamen und befremdlichen Menschen inmitten des geschäftigen Treibens auf dem Platz.

Viola monologisiert meist, wendet sich aber auch an Passanten und auch direkt an das Publikum – auf sicherer Distanz im geschützten Innen der Apotheke –, bevor sie nach vergeblichem Versuch der Kontaktaufnahme wieder in der Anonymität verschwindet. Zurück bleibt nur ihre Verlorenheit, ihre Einsamkeit.

VIOLA

eine Kurzoper im öffentlichen Raum
Libretto: Thomas Jonigk
Konzept, Komposition: Mathis Nitschke
Viola: Martina Koppelstetter
Bratschenaufnahme: Klaus-Peter Werani
Sprachaufnahme: Ursula Berlinghof

Uraufführung: 3.-5. Juli 2015, Bahnhofapotheke Pasing, im Rahmen des Pasing By Kunstfestivals. ‚Pasing by‘ war ein Projekt der Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, sowie der MGS, beraten von der QUIVID, der Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum.

Aufführungen am 4.11.2017 beim Sonica Festival 2017 in Glasgow, St. Enoch Shopping Center.
Aufführungen bei den Operdagen Rotterdam im Mai 2018.

Links:

Erfahrungsbericht zu VIOLA von Karen Klauke: Erfahrungsbericht VIOLA
VIOLA fand im September 2016 einen Nachfolger: KATHARINA >>
Als Beispiel meiner Opern für die klassische Bühne: HAPPY HAPPY >>

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